Wer wird denn gleich ...


Vor sechs Jahren gab es im Musil Museum in Klagenfurt eine Diskussion zum Thema Internet und Literatur. Dieses Jahr lud Heimo Strempfl zu einer Zwischenbilanz in Sachen Netzliteratur ein. Teilnehmer: Norbert Kron, Berlin, Enno E. Peter, Berlin, Julia Hadwiger, Wien, Beat Suter, Zürich.

Das Podiumsgespräch vom 22. Juni 2005 zum Klagenfurter Literaturkurs ging von folgender Prämisse aus:
"Die Möglichkeiten der Literaturpublikation und – diskussion im Netz schienen Ende der neunziger Jahre nahezu unbegrenzt zu sein. Inzwischen haben mehrere Web-Projekte ihre 'Geschichte', die Möglichkeiten des Mediums sind vorerst einmal ausgetestet."

Es mag zwar sein, dass sich die Publikation und Distribution von "traditioneller" Literatur im Netz etwas verlangsamt hat, ihr gegenüber steht aber die digitale Literatur, die weiterhin neue Möglichkeiten auslotet. Wenn 3sat-Moderator Gert Scobel die Netzliteratur mit seinen skeptischen Fragen begraben wollte, so hatte das mehr mit der Angst des Fernsehmannes vor dem Kommunikationsmedium Internet zu tun als mit der Netzliteratur selbst.

Denn im Gegensatz zum Fernsehen gibt es in einem Medium, das sich inhaltlich und technologisch selbst ständig neu erfindet, noch sehr viel Neues zu erkunden. Dies gilt auch für die Literatur. Dass dies heute abseits vom hyperkommerziellen Geschehen passiert, welches das Internet prägt, ist eine Konsequenz der Entwicklungsrichtung des Internets. Konnten sich die Protagonisten der Netzliteratur Ende der 90er Jahre noch Gehör verschaffen sowohl im Internet, als auch auf dem Rummelplatz der alten Medien, so muss sich die Netzliteratur heute auf eine digitale Community beschränken, die zwar international ist, jedoch nach aussen nicht mehr rezipiert wird und also von der breiten Öffentlichkeit nicht mehr wahr genommen wird.

Die innovativen netzliterarischen Entwicklungen geschehen in einem eigenen kulturellen Milieu, das vom gewöhnlichen Literaturbetrieb wohl bewusst nicht zur Kenntnis genommen wird. Die einzigen Meldungen zu digitaler Literatur, die es in den letzten Jahren noch in die alten Medien geschafft haben, waren die Abgesänge auf die digitale Literatur. Das ist allerdings weiter gar nicht so schlimm, denn so können die Protagonisten der digitalen Literatur in Ruhe ihre Arbeiten zur Reife bringen. Auch schälen sich allmählich neue interdisziplinäre Verknüpfungen heraus wie zum Beispiel die Ausstellung Poesis Anfang 2004 in Berlin gezeigt hat, bei der eine Auswahl internationaler digitaler Literaturprojekte fest verankert in einer Ausstellung mit NetArt und Net-Art-Installationen gezeigt wurde. Unter anderen war auch das Mehrautorenprojekt "The Famous Sound of Absolut Wreaders" (http://kunstradio.cyberfiction.ch/ ) vertreten.

http://www.cyberfiction.ch ist eine Website, die verschiedenste Materialien und Verknüpfungen zu digitaler Literatur anbietet. In der Edition Cyberfiction wird eine Reihe ausgwählter Hyperfictions auf CD-ROM herausgegeben. Die neueste CD der Reihe stammt von Frank Klötgen. "Spätwinterhitze" ist der erste interaktive Krimi auf Romanlänge. Die "Spätwinterhitze" ist ein Roman im Stil des Film Noir mit stimmungsvollen Animationen und Sounds. Der als Slam-Poet bekannte Frank Klötgen sprengt darin die Grenzen zwischen Buch, Comic und Computerspiel und verbindet Leseerlebnis und literarische Qualität eines atmosphärischen Krimis mit den multimedialen Möglichkeiten des Computerzeitalters. Eine Demo-Version findet sich auf http://www.internetkrimi.de .

Posted: Mi - Juli 6, 2005 at 09:54 nachm.          


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